Höhe und Florlänge
Die Florhöhe eines klassischen Orientteppichs beträgt in der Regel etwa 8 bis 12 mm. Besonders kurzflorige Teppiche wie Seidenteppiche oder sogenannte Vintage-Orientteppiche zeichnen sich durch eine geringe Florhöhe aus – teils wurde der Flor dabei absichtlich auf nahezu null gekürzt. Gabbeh-Teppiche hingegen sind deutlich höher und erreichen oft eine Florhöhe von 15 bis 25 mm. Kurzflorteppiche wie Ziegler oder Khal Mohammadi eignen sich hervorragend für Essbereiche, da sie sich leicht reinigen lassen und Möbel auf ihnen stabil stehen.
Knotenanzahl und Dichte
Die Knotenzahl eines Orientteppichs ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Ein handgeknüpfter Teppich besitzt in der Regel zwischen 200.000 und 500.000 Knoten pro Quadratmeter. Besonders feine Perserteppiche oder Seidenteppiche können sogar weit über 1.000.000 Knoten pro qm erreichen. Je höher die Knotendichte, desto detailreicher und filigraner das Muster.
Formen und Größen
Orientteppiche sind klassischerweise rechteckig, da sie auf einem rechteckigen Grundgewebe (Kette) entstehen. Runde Teppiche sind sehr selten und technisch anspruchsvoll – sie werden auf rechteckige Ketten gearbeitet und anschließend von erfahrenen Knüpfern in Form gebracht. Auch quadratische oder schmale Läufer-Formate sind heute gefragt und ergänzen das traditionelle Repertoire.
Farben und Färbung
Die Farbgebung ist eines der markantesten Merkmale eines Orientteppichs. Traditionell werden die Farben aus natürlichen Stoffen wie Pflanzen, Mineralien oder Wurzeln gewonnen – etwa Indigo, Krappwurzel oder Walnussschale. In Persien ist es sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass ein Teil der Wolle noch immer mit natürlichen Farbstoffen behandelt wird. Beliebte Farbtöne sind Creme, Rot, Blau, Beige, Grün und Braun – je nach Region und Stilrichtung.
Wolle und Garnqualität
Die Schurwolle bildet die Basis für die meisten hochwertigen Orientteppiche. Sie beeinflusst nicht nur die Strapazierfähigkeit und Langlebigkeit des Teppichs, sondern auch seine Farbintensität und Haptik. Je besser die Wollqualität, desto angenehmer ist das Laufgefühl – und desto lebendiger wirkt die Farbbrillanz. Ein guter Orientteppich bleibt bei richtiger Pflege über Jahrzehnte hinweg schön.
Fransen als Teil der Kette
Die Fransen eines Orientteppichs sind keine Dekoration – sie sind das sichtbare Ende der Kette, auf die der Teppich geknüpft wurde. Sie gehören fest zur Konstruktion und tragen zum Originalcharakter des Teppichs bei. Während früher lange Fransen üblich waren, werden sie heute oft bewusst kürzer gehalten. Auf Wunsch können Fransen professionell gekürzt, umgenäht oder auch vollständig entfernt werden.
Bordüre – Der Rahmen des Designs
Jeder echte Orientteppich besitzt eine Bordüre, die das Innenfeld optisch einrahmt. Diese umlaufende Struktur ist nicht nur dekorativ, sondern gibt dem Teppich auch visuelle Stabilität. Die Bordüre setzt sich oft aus kleineren Musterelementen zusammen, die das zentrale Motiv ergänzen. Sie ist ein zentrales Gestaltungselement und prägt den Gesamteindruck stärker, als man auf den ersten Blick vermuten würde.